„Unterstellungen des Trivialblattes 'Bild-Zeitung'“ - Eine Stellungnahme des Univ.-Prof. Dr. Hamid Reza Yousefi

Unterstellungen des Trivialblattes „Bild-Zeitung“ und meine Stellungnahme

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren der Öffentlichkeit,

am 11. Juli 2017 habe ich durch Zufall einen Artikel der „Journalistin“ Antje Schippmann mit dem Titel „Mullah-Konferenz in Berlin: Bundesregierung fördert iranische Terror-Helfer“ in die Hände bekommen. Dieser Artikel hat in mir Wut und Ohnmacht ausgelöst. Ich bin eine öffentliche Person, habe in der Bundesrepublik Deutschland meine gesamte akademische Ausbildung genießen dürfen und bin ausgewiesen auf den Gebieten der Menschenrechte sowie Grundfragen der Interkulturellen Philosophie und Ethik.

 

Auf die einzelnen Inhalte des Trivialblattes „Bild-Zeitung“ möchte ich hier nicht eingehen, weil das ganze Argumentationsgebäude jeglicher Grundlage entbehrt. Der investigative Journalist Günter Wallraff hat bereits in seinem „Aufmacher“ den problematischen Charakter dieses Trivialblattes analysiert, worauf hier ausdrücklich hingewiesen sei.

 

Als Mensch, besonders als Wissenschaftler, möchte ich meiner Betroffenheit über die sehr uninformierten und juristisch fragwürdigen Insinuationen dieses Trivialblattes Ausdruck verleihen, denn es geht hier nicht um spitzfindige Meinungen, die in einer freien Demokratie durchaus erlaubt sein dürften, sondern um Phrasen, welche die wissenschaftlichen Kooperationen und nicht zuletzt jede Form von interkulturellem Dialog in ihrer Substanz verhindern.

 

Seit etwa einem Jahr bin ich kollegial mit dem Al-Mustafa-Institut in Berlin verbunden und Seminare abgehalten, die von Seiten der Studierenden auf großes Interesse gestoßen sind. Dies kann jederzeit nachvollzogen werden. Meine Zusammenarbeit beruht auf dem Wissen, dass die Aktivitäten des Al-Mustafa-Instituts nicht nur unserer Verfassung entsprechen, sondern diese geradezu fördern. Deshalb genießt dieses Institut die Anerkennung der Behörden in unserem Land.

 

Unser Land ist eine demokratische Republik, in der alles per Gesetz geregelt ist, wonach sich alle zu richten haben. Jede Verletzung der Grundordnung unserer Republik dürfte als Untergrabung der demokratischen Rechtstaatlichkeit betrachtet werden. Auch die Medien stellen hier keine Ausnahme dar.

 

Nun finden wir im angezeigten Artikel Ausdrücke wie „Islamische Kaderschmiede des Iran“- um nur ein Beispiel zu nennen -, die unmittelbar an menschenverachtende Aktivitäten in Nazi-Deutschland erinnern. Weil ich als Dozent mit dem Al-Mustafa-Institut kollegial verbunden bin, fühle ich mich von dieser Unterstellung unmittelbar betroffen und in meinem Gerechtigkeitssinn und zivilgesellschaftlichen Bewusstsein angegriffen. Deshalb wehre ich mich gegen diese unangemessene Verunglimpfung, die mit einer derben Sprache verbunden ist.

 

Als Demokraten fördern wir nicht nur die Meinungsfreiheit im Allgemeinen, sondern auch die Pressefreiheit im Besonderen. Durch die Kritik der Medien sollten wir als Wissenschaftler jederzeit auf der Hut sein, argumentativer zu denken und Vorurteile jederzeit zu meiden. Dieses Gebot wird aber durch das Trivialblatt „Bild-Zeitung“ grob fahrlässig verletzt und trägt dazu bei, Rolle und Funktion der Medien in unserer Gesellschaft zu diskreditieren. Auch ein Trivialblatt wie die „Bild-Zeitung“ muss lernen, die Demokratie nicht als Freiheit des Fuchses im Hühnerstall zu begreifen, sondern eigene Grenzen kennen und sich nicht alles im Namen der Presse- und Meinungsfreiheit zu erlauben. Denn Pietätlosigkeit politischer oder religiöser Art ist schädlich und stellt nicht nur Rigidität dar, sondern ist ein Ausdruck des Fanatismus. Insofern sollte sich auch ein Trivialblatt wie die „Bild-Zeitung“ für das außerordentlich wichtige Thema der Al-Mustafa-Tagung „Islamverständnis zwischen Rationalität und Radikalität“ einsetzen und nicht durch die Verbreitung von Unwahrheiten Rufmord und Verteufelungsdiskurse in Gang bringen.

Mit besten Grüßen

Univ.-Prof. Dr. Hamid Reza Yousefi,

Präsident des Instituts zur Förderung der Interkulturalität mit Sitz in Trier